Abbildung
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Als Abbildung bezeichne ich die Funktion, bestimmte Aspekte der abgebildeten Sache, die ich auch unabhängig von der Abbildung sehen kann, jenseits dieser Sache sichtbar zu machen.
Erläuterung:
Ein Bild beispielsweise, das eine abgebildete Sache zeigt, ist ein Abbild. Ein Bild von einer Sache, die ich nicht sehen kann, ist in diesem Sinn kein Abbild. Und ein hinreichend abstraktes Bild, auf welchem ich die gemeinte Sache nicht erkennen kann, ist für mich kein Abbild.
Umgangssprachlich verkürzt bezeichne ich Bilder, die etwas abbilden, als Abbildungen, wobei ich die Funktion hypostasiere. Ein Bild ist keine Funktion, sondern ein hergestellter Gegenstand. Ein Bild hat keine Funktion, sondern eine Gegenstandsbedeutung. Ein Gegenstand kann verschiedene Funktionen erfüllen. Ein Bild kann die Funktion einer Abbildung erfüllen. Es gibt auch Bilder, die andere Funktionen erfüllen.
Ich unterscheide zwei Arten des Abbildes: die (Lichtwellen-)Reflexion und das hergestellte Abbild, das natürlich auch Lichtwellen reflektiert.
- Bei der Reflexion unterscheide ich Spiegelbild und Schatten, in beiden Fällen kann ich die abgebildete Sache sehen, ohne die Sache oder einen hergestellten Repräsentanten der Sachen zu sehen. Das Spiegelbild ist keine Fotografie, ich kann es nicht anfassen.
- Spiegelbild
Bei der Reflexion im Wasser - wie einstmal bei Narziss - oder im Spiegel sehe ich die Sache selbst und nur solange, wie ihre Lichtwellen reflektiert werden, wozu die Sache zuhanden sein muss.
Wenn ich die Sache selbst sehe, sehe ich ja auch reflektierte Lichtwellen.
Wenn ich mich im Spiegel betrachte, sehe ich mich nur einmal, ein aussenstehender Beobachter kann aber mich und mein Spiegelbild sehen.
Wenn ich einen Spiegel verwende, um eine Spiegelschrift zu entziffern, sehe ich die Schrift zweimal, was einer besonderen Verwendung des Spiegels geschuldet ist.
Im Spiegelbild sehe ich die Sache standpunktbezogen vollständig isomorph, also so, wie ich sie ohne Spiegel sehen kann.
Anhand des Spiegels mache ich mir bewusst, dass die Lichtwellen auch in meinem Auge auf eine zweidiemensionale Fläche treffen, obwohl ich räumliche Sachen wahrnehme.
- Schatten
Schatten entsteht, weil die abgebildete Sache kein oder wenig Licht durchlässt, weshalb der Schatten nur die jewils standortgebundene Kontur oder Form der Sache zeigt. Die Räumlichkeit der Sache ist im Schatten aufgehoben.
Beim hergestellten Abbild unterscheide ich das flächige Bild und die körperliche Skulptur, wobei im Sinne des re-entrys Bilder auch Körper sind, weil sie aus Material bestehen (was ich unter Bild näher erläutere)
Das hergestellte Abbild ist ein Artefakt mit der Gegenstandsbedeutung bestimmte Aspekte der abgebildeten Sache durch Analogie zwischen Beidem zu repräsentieren.
Der Ausdruck Abbild ist quasietymologisch von Bild abgeleitet, so dass umgangssprachlich Skulpturen und Modelle nicht als Abbildungen bezeichnet werden, obwohl sie die Funktion erfüllen (können).
- Bild
Als Bild bezeichne ich einen Gegenstand, der zum Anschauen hergestellt wurde.
Ich unterscheide Zeichnungen, Gemälde und Technobilder (Fotographie).
- Zeichnung
Die Zeichnung besteht aus geformten Strichen, die im Prinzip die Form des gemeinten Gegenstandes umschliessen. Ich zeichne die Form des Gegenstandes als Umriss.
Es gibt aber aber Strichzeichnungen, bei welchen die Striche als Körper fungieren, die also keine Zeichnungen im eigentliche Sinne sind - was durch die Kompositabildung mit "Strich-" bezeichnet ist.
Weil die Striche dreidimensonal sind, sind Strichzeichnungen eigentlich Reliefs, die nicht als solche wahrgenommen werden.
- Gemälde
Als Gemälde bezeichne ich Artefakte, bei welchen Farben auf einem Trägermaterial so verteilt werden, dass ein Bild entsteht. Die Zeichnung zeigt die Form von so isolierten Gegenständen, beim Gemälde muss ich die Gegenstände - anhand von Farbunterschieden - selbst erkennen. Ich muss dazu die Gegenstände kennen. In meinem Gesichtsfeld ist das auch so.
Ausgemalte Zeichnungen - etwa der Micky Maus - sind keine Gemälde.
- Technobild
Als Technobild bezeichne ich ein Bild, das so mit Apparaten produziert wird, dass das Bild durch den Apparat bestimmt wird, also der Bildproduzent keinen Beitrag zur Gestaltung des Bildes leisten kann. Das typische Beispie ist die Fotografie, die mit einer Kamera hergestellt wird. Als Fotograph kann ich zwar entscheiden, was ich fotografiere, aber auf das Bild sebst habe ich keinen Einfluss. Es entsteht wie ein Spiegelbild.
Der Fotofilm wurde durch die sogenannte Digitalkamera praktisch vollständig verdrängt. Viel wichtiger ist aber - in technischer Hinsicht - die Bildherstellung mit Computern (Grafikprogramme).
- Skulptur
Als Skulptur bezeichne ich einen Gegenstand, der - wie ein Bild - zum Anschauen hergestellt wurde. Die Skulptur ist körperlich, also nicht nur standpunktbezogen isomorph.
Ich unterscheide Skulptur, Plastik und Relief
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Zusätzliche Erläuterungen:
- Hergestellte Gegenstände, die abbilden sollen, bezeichne ich als Anschauwerke
- Ich kann jeden Hund abbilden, aber nicht den Hund überhaupt. Ich kann nur abbilden, was ich fotografieren kann. Ich kann ein Pferd, aber kein Einhorn abbilden. Ein Einhorn kann ich darstellen, ich kann es zeichnen oder bildhauern.
- Wenn ich etwas abbilde, stelle ich einen materiellen Gegenstand her, der die abgebildete Sache zeigt.
Ich müsste dann - um die umgangssprachliche Verkürzung zu thematisieren - dazu schreiben "Ceci n'est pas eine Abbildung, sondern ein Bild, mit welchem ich die gemeinte Sache abbilde.
Abbildung bezeichnet die Beziehung zwischen beiden.
- Das Abbilden ist eine mögliche Funktion von Bildern, ich kann Bilder herstellen, die nichts abbilden, also eine andere Funktion haben.
- Eine Abbildung ist umso adäquater, je ähnlicher ich den Bildinhalt und das Abgebildete wahrnehmen kann.
- Eine Kopie kann als perfektes Abbild betrachtet werden.
- Eine Kopie kann als perfekte Abbildung betrachtet werden.
- Die Abbildung ist isomorph oder unvollständig, also eine Abstraktion.
- The map is not the territory. Die Umgangssprache unterscheidet oft nicht zwischen der Abbild und dem Abbgebildeten. Wir sagen etwa: Das ist eine Pfeife, wenn wir das Bild einer Pfeife sehen. R. Magritte spielt damit.
- C. Escher macht Bilder, die als Abbild irritieren.
- In Sachbücher werden Bilder als Abb(ildungen) numeriert. Dabei scheint die Idee, dass es sich - im Buch - um ein Abbild eines Bildes handelt, das dann das Original wäre, während die Bilder im Buch Instanzen sind, weil es kein Originalbuch gibt.
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[ 21. 6.25 ]