"-ung" ist ein häufiges Suffix im Deutschen, siehe auch "-heit", -keit", -tion und "-nis" |
Die Wortendung "-ung" kommt bei Substantiven vor, die von einem Verb abgeleitet (Derivation) sind. Die Verwendung des Substantives ist oft mit einer - lexikalischen - Deutungserweiterung oder einem Deutungswandel verbunden, die ich mir anhand meiner Verwendung des Verbes bewusst machen kann.
Wörter mit der ung-Endung lassen offen, ob ein Geschehen (im Sinne des Vorgang des verbalen Wortstammes (Nomen Actionis)) oder das Ergebnis des Geschehens (im Sinne eines oft materiell existierenden Ergebnisses des Vorganges (Nomen Acti)) bezeichnet wird.
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Beispiele:
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Eine pragmatische Deutung:
Bei transitiven Verben wird mit dem -ung-Substantiv oft das grammatikalische Objekt des Verbs nach vollzogener Handlung bezeichnet:
Beispiele:
- "Erfindung": "Er erfindet eine neue Maschine (grammatikalisches Objekt)." Die Erfindung ist dann das physisch existierende Ergebnis des Vorgangs des Erfindens: die neue Maschine.
- "Entdeckung": "Sie entdeckte eine neue Insel." Die Entdeckung ist dann die neu entdeckte Insel.
- "Verbesserung": "Er verbesserte seine Laufzeit." Die Verbesserung ist die neue, schnellere Laufzeit.
Bei intransitiven Verben ist - umgekehrt - eher das Geschehen gemeint.
Beispiele:
Atmung, Bewegung, Forschung, Ladung, Nahrung, Prüfung
Es gibt aber auch kompliziertere Fälle:
Beispiel:
Beobachtung kann für die Tätigkeit oder verkürzt für ein Beobachtungsprotokoll stehen, wobei im letzteren Fall offengelassen ist, ob dieses Protokoll nur gedanklich oder manifest ist, was aber auch im Ausdruck Protokoll unbestimmt bleibt.
Vermutung: Verben im semantischen Umfeld von Kognition haben in der -ung-Ableitung kein Objekt.
Beispiele:
Vorstellung, Überlegung, Messung ?
Vermutung zur Vermutung: Beobachtung beispielsweise hat kein Objekt, das im Verb als Akkusativobjekt vorgegeben war, weil Beobachtung ein Akkusativobjekt hat, das kein gegenständliches Objekt ist.
Beispiel:
Ich beobachte das Verhalten einer Katze.
In diesem Satz ist das Verhalten, nicht die Katze das grammatikalische Objekt. Das Verhalten ist kein gegenständliches Objekt, kein anfassbarer Gegenstand.
Ich kann - eigentlich - keinen Gegenstand beobachten. Ich beobachte Verhalten. Ich beobachte nicht ein Tier, sondern dessen Verhalten, auch wenn ich umgangssprachlich sage, dass der Verhaltensforscher K. Lorenz Gänse und der Psychologe B. Skinner Menschen beobachtet hat.
Ich kann nicht sinnvoll sagen, dass die Beobachtung ein Verhalten sei. Die Beobachtung kann ich als Verhalten auffassen, dabei meine ich aber mein Beobachten, nicht jenes der Katze, um das es hier gehen würde.
Neue Vermutung:
Die Erfindung IST die Sache, die Beobachtung BETRIFFT die Sache. In den hier verwendeten Beispielen: Die Maschine, die als Erfindung gemeint ist, IST ein zeigbarer Gegenstand. Das Verhalten der Katze, das in der Beobachtung gemeint ist, kommt in einem BERICHT über die Sache vor.
Ich kann auch ÜBER Erfindungen berichten, ich kann das Verhalten der Katze NICHT zeigen. Der Gegenstand der Erfindung verändert sich nicht. Das Verhalten, das ich beobachte, ist eine Veränderung.
Meine Vermutungen beruhen auf meiner - in meiner Theorie zentralen - Unterscheidung zwischen Abbildung und Abgebildetem. Die Referenzobjekte von -ung-Wörtern ...
Ein spezielles Verb ist machen. Ich kann vieles von dem, was ich mit Verben bezeichne, machen:
Ich kann insbesondere Beobachtungen, Abbildungen machen.
eine Liste von -ung-Wörtern, die zeigt, dass es keine Einzefälle sind.
Die Wortendung "-tion" ist vielleicht ähnlich, mehr bei Fremdwörtern? Etwa Organisation von organisieren ? oder Administration für Verwaltung, oder Institution für Einrichtung