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"Beobachten" habe ich in diesem Lexikon während einer langen Periode im Sinne von N. Luhmann verwendet. In dieser soziologischen Systemlehre steht "beobachten" für das Bezeichnen (einer Seite) einer Unterscheidung. Davor habe ich das Wort im Lexikon kaum verwendet und ab jetzt verwende ich es (wieder) im umgangssprachlich üblichen Sinn.
Ein grosser Teil der Lexikon-Einträge sind durch diese Änderung der Redeweise nicht mehr konsistent formuliert.
(9. 8.2025, Alte Variandte, die in vielen Fällen noch aktiv ist).


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Homonyme:
In einer bestimmten Auffassung von empirischen Wissenschaften wird der Ausdruck "Beobachten" methodolgisch für die - wiederholbare - Erhebung von Daten verwendet, die in Protokollsätzen festgehalten werden. Dabei wird beobachten mit dem Berichten über Beobachtetes gleichgesetzt. Das behandle ich als wissenschaftliches Beobachten

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  beobachten
  Beobachtung  
  Beobachter  
  Beobachtung 2. Ordnung  

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Im Kontext der Systemlehre von N. Luhmann wird "beobachten" nochmals ganz anders als in der Umgangssprache verwendet. Das behandle ich als Beobachten in der Terminologie von N. Luhmann
 
Hier behandle ich die konventionelle Wortverwendung, die ich selbst verwende.
 

Als beobachten bezeichne ich eine - mentale - Tätigkeit, bei welcher ich meine Aufmerksamkeit eine Zeitlang auf das Verhalten einer bestimmten Sache - die ich als Sache isoliert habe - richte. Ich beobachte (nur), was sich potentiell und nicht vorhersehbar verändert und mich potentiell betrifft.
Beobachten bedeutet mithin die Wahl eines Gegenstandes, einer Verhaltensdimension und einer Dauer.

Beispiele:
Ich beobachte meine Katze, die einen Vogel beobachtet.
Erläuterung:
Ich beobachte natürlich nicht meine Katze, sondern deren Verhalten, und nicht deren Verhalten insgesamt, sondern spezifische Aspekte.
Ich wähle die Katze. Sie wählt (in meiner Projektion) den Vogel, respektive dessen Verhalten.
Ich beobachte, wie lange (Dauer) sie sitzen bleibt (Verhaltensdimension). Die Katze macht in dieser Zeit auch andere Sachen, die ich nicht beoachte.
Ich könnte beispielsweise auch beobachten, wovon sie sich allenfalls ablenken lässt. Das wäre aber eine andere, kompliziertere Beobachtung - ich würde dabei etwas anderes beobachten.
[ Schachspieler ]

Ich beobachte einen Schachspieler. Dabei beobachte ich nicht den Spieler, sondern dessen Verhalten. Ich beobachte in einem bestimmten Fall nicht dessen Verhalten überhaupt, sondern welchen Spielzug er als nächstes wählt. Ich könnte auch beobachten, wie oft er auf die Uhr schaut, oder was er mit den Füssen unter dem Tisch macht. Wenn mich der nächste Spielzug interessiert, gibt es eine begrenzte Anzahl von Möglichkeiten, die ich als Domäne bezeichne.

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Beobachten ist eine Ableitung von "obachten", das als Verb nicht mehr verwendet wird. Obacht ist eine Ableitung von achten. be-achten verwende ich für das Berücksichtigen der Verhältnisse. Achten verwende ich für das Anerkennen der Relevanz von bestimmten Verhältnisse. Mit dem Wort Obacht weise ich jemanden darauf hin, dass das Beachten im je gegebenen Fall sehr wichtig ist. Beobachten bezieht sich auf eine bestimmte Sache, die mir wichtig genug ist, also mich interessiert.

Ich erkenne mein eigenes Beobachten als etwas, was ich tue. Dass andere Menschen oder eben meine Katze etwas beobachten, kann ich nur vermuten, ich kann es nicht sehen. Ich kann aber die Beschreibung einer Beobachtung lesen, wenn ein anderer Mensch aufgeschrieben hat, was er beobachtet hat.
Eine Beschreibung kann ich aber nicht beobachten. Sie verändert sich nicht.

Hinweis:
Als Observieren bezeichne ich ein Beobachten in oder mit der Funktion einer Überwachung.


 

Anmerkungen zur idiosynkratischen Verwendung von umgangsprachlichen Wörtern:

Wissenschaftler verwenden oft unbedarft Wörter, die in der Alltagssprache bereits auf eine bestimmte Art verwendet werden, um beispielsweise Variablen in ihren Formeln (einprägsame oder anschauliche) Namen zu geben. Die Physiker etwa haben die Wörter "Arbeit" und "Energie" in ihre Bezeichnungen übernommen, wo sie für etwas ganz anderes als in der deutschen Sprache stehen. Das führt oft zu Missverständnissen.

Das Wort "beobachten" haben vor allem die Philosophen des Wiener Kreises in die Wissenschaft eingeführt. In ihrer Vorstellung beobachten Wissenschaftler sehr genau, was passiert. Sie berichten darüber in Protokollsätzen. Beobachten bezeichnet dabei, dass es keine Rolle spielt, ob von einem Experiment oder von Messungen berichtet wird. Wichtig ist nur, dass das Verfahren hinreichend genau beschrieben wird, dass es wiederholt - und das Resultat im Prinzip verifiziert - werden kann.

Dabei wird natürlich nicht das Beobachten - im konventionellen Sinn - beschrieben, sondern beispielsweise das Experiment, in welchem beobachtet wird, und die Resultate, die im Experiment beobachtet wurden.

Unabhängig von Wissenschaft kann ich aufschreiben, was ich beobachte - oder eben nicht. Wenn ich mein Beobachten dokumentiere, spreche ich von einem Bericht oder einem Sitzungs-Protokoll. Ein normalerweise nicht sehr systematisches Beispiel ist das Tagebuch, ein sehr systematisches Beispiel ist ein Kassenbuch.

Im Wiener Kreis war der Einfluss des Beobachters auf die Resultate umstritten, aber wirklich ins philosophische Gespräch kam der Beobachter durch die Konstruktivisten, zuerst wohl durch die Aussage von H. Maturana, wonach alles, was gesagt wird, von einem Beobachter gesagt wird. H. Maturana sagte nicht, weshalb er den dabei gemeinten Menschen oder Wissenschaftler als Beobachter bezeichnet. Ich nehme an, dass er bei seiner Wortwahl zunächst seine (je eigenen) Beobachtungen relativieren wollte und dann beim Ausdruck Beobachter hängen geblieben ist. N. Luhmann hat den Beobachter zugunsten von Beobachtungen wieder verworfen (wohl nur, weil er in seiner Gesellschaftslehre keine Menschen haben wollte). Dass er aber von beobachten, statt allenfalls von berichten des Beobachteten spricht, spricht auch Bände - zumal es bei ihm ja um Kommunikationen geht. N. Luhmann verwendet beobachten schliesslich in einer von ihm selbst erfundenen Anlehnung an G. Spencer-Brown extrem eigenwillig für das Bezeichnen einer Seite einer Unterscheidung. D . Oft wird beobachten - in einer Inversion - von Beobachter oder Beobachtung abgeleitet.

Literatur:

H. Maturana beobachtet (in einem für seine Theorie wichtigen Beispiel) einen U-Boot-Kapitän. Er beobachtet, was dieser beobachtet: nämlich Instrumente (genauer das Verhalten der Instrumente) in seinem U-Boot, nicht die Umgebung ausserhalb des U-Bootes, die gar kein Verhalten zeigt.
I. Pawlow beobachtet das Speicheln eines Hundes. J. Konorski beobachtet, was I. Pawlow beobachtet.

Literatur:
A. Doyle: Skandal Beobachten versus sehen.
F. Dürrenmatt: Der Auftrag oder Vom Beobachten des Beobachters der Beobachter Eine Novelle über das Observieren.

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