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Als Ziel bezeichne ich das (intendierte) Resultat einer Handlung, dessen Erreichen die Handlung abschliesst.
Jede Handlung hat ein Ziel und einen Zweck. Das Ziel muss nicht ereicht werden. Eine Handlung kann auch beendet werden, ohne dass das Ziel erreicht ist. Und natürlich kann eine Handlung, bei der das Ziel erreicht wurde, wiederholt werden. Der Zweck betrifft nicht die Handlung, sondern ihr Motiv. Diese Differenz wird in der Teleologie behandelt (siehe unten).
Beispiel:
Ziel einer medizinischen Operation kann sein, dass etwa ein entzündeter Blinddarmfortsatz entfernt und die Bauchdecke wieder geschlossen ist. Der Zweck dieser Operation ist allgemein formuliert, die Erhaltung der Gesundheit des Patienten oder spezieller formuliert, die Vermeidung von absehbaren Folgen dieser Entzündung, wie etwa ein Darmdurchbruch.
Beispiel:
Das Ziel der Fahrer bei einem Rennen besteht darin, den Ziellienie schneller als seine Konkurenten zu erreichen. Diese Handlung wiederholt er beliebig oft, unabhängig davon, ob er sein Ziel je erreicht. Dass er in einem Rennen die Ziellinie erreicht, ist nicht sein Ziel.
Beispiel:
Das Ziel eines Bergsteigers ist im gegebenen Fall das Erreichen eines Gipfels. Der Gipfel ist dabei nicht sein Ziel. Sein Ziel ist den Gipfel zu erreichen.
Dieses Beispiel zeigt eine verbreitete umgangssprachliche Verkürzung, wonach Orte als Ziel aufgefasst werden. Etwa wenn von Reisezielen gesprochen wird.
Anmerkungen zur kybernetischen Teleologie:
Der Sollwert einer Regelung wird oft als Ziel bezeichnet. Im Aufsatz : Behaviour, Purpose and Teleology hat N. Wiener die Teleologie eingeführt, wohl in der Absicht, die philosophische Leseweise auf die Füsse zu stellen. Aristoteles hat in seiner Teleologie Ziel und Zweck voneinander unterschieden. Den Zwecken sind Mittel zugeordnet, die für sich betrachtet selbst wiederum Zwecke darstellen können (vgl. Zweck-Mittel-Relation). Damit stellt sich für ihn die Frage nach dem letzten Zweck, der nicht wiederum zum Mittel werden kann. Die Behandlung dieser Frage ist bei ihm Aufgabe der Ethik.
N. Wiener verwendet das Wort Ziel eigen-sinnig, indem er es einem Mechanismus zurechnet.
Das vermeintliche Ziel einer thermostatengeregelten Heizung ist natürlich nicht das Ziel der Heizung, sondern das Ziel des Menschen, der die Heizung zum Heizen verwendet. Der Zweck des Heizens besteht darin, den Raum zu wärmen. Der Zweck des Regeln besteht darin, die Raumtemperatur konstant bei einem vorgegebenen Sollwert zu halten. Der Benutzer einer thermostatengeregelten Heizung verfolgt diese Ziele.
Das kybernetische Ziel beruht auf einer sprachlichen Verkürzung, die darauf verweist, dass es kein Ziel ist. (Vgl dazu "Erd"-Beere)