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"Technikphilosophie" könnte tautologischerweise eine Philosophie bezeichnen, die sich mit Technik (statt mit Erkenntnis) befasst.

Als Technikphilosophie bezeichne ich - im Sinne einer Bindestrich-Philosophie - eine umgangssprachliche Bezeichnung für alle Erwähnungen von Technik, die nicht technisch gemeint sind. Thema ist insbesondere das soziale und ökologische Umfeld der Technik, während die Technik selbst der Technik-Lehre (Technologie) zugewiesen wird, wozu die Philosophie keinen Beitrag leistet.

E. Kapp etwa, der Erfinder der Technikphilosophie, behandelt - soweit ich sehe, ohne es zu bemerken - hauptsächlich Commonsense-Vorstellungen über Technik, vor allem die Idee einer Organprojektion. Als Philosoph interessierte er sich viel mehr dafür, wie Werkzeuge beobachtet werden, als für deren Konstruktion, geschweige denn für die Funktionsweise von Maschinen. In diesem Sinn ist seine Technikphilosophie exemplarisch, Technikphilosophie ist bis heute so geblieben: Technikfolgenabschätzung.

Sehr oft wird ein bestimmter Aspekt der Technik hervorgehoben, der sich mathematisch beschreiben lässt. Viele mathematische Verfahren wurde überhaupt von Ingenieuren entwickelt. Und weil über Mathematik auch viel Konfussion herrscht, wird sie oft der Philosophie zugerechnet. Algebra (er)scheint dann nicht als Schaltalgebra, sondern als Logik. Kybernetik nicht als Automatik, siondern als System Daynamics. Der Governor wird J. Maxwell zugerechnet, C. Babbage, A. Turing und N. Wiener werden ala Mathematiker gelesen, weil sie fürs Mechanische Handlanger hatten, um nur ein paar Beispiele zu geben. Die Analytische Maschine und der Computer sind dann geistige Gegenstände der Technikphilosophie. [1]

Technikgeschichte - jene, die Historiker betreiben - befasst sich auch nicht mit Technik, sondern mit (technischen) Erfindungen und derem zeitlichen Auftreten.

Hier geht es deshalb nicht um Technik und insbesondere auch nicht um Technologie, sonden um eine Ansammlung von beliebigen "Philosophien" über Technik, oder um eine Liste berühmter Männer, die irgendetwas über Technik gesagt haben. Dabei ist mir gleich gültig, ob Texte in diesem Selbstverständnis geschrieben oder nachträglich zugerechnet wurden.


 

"Technik-Philosophie"

E. Kapp: Grundlinien einer Philosophie der Technik (1877)
Ropohl, G.: Allgemeine Technologie (2009)
Zimmerli, W.: Technik oder: wissen wir, was wir tun?

im Netz
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Technologie

Zur Verdeutlichung der Differenz ein paar Texte zu technischen Gegenständen der Technologie:

Osborne, A.: Einführung in die Mikrocomputer-Technik
Herschel, R.: Pascal

und ein paar Autoren:

Heron von Alexandria: Automaten
Vitruv: Pneumatik
Menabrea: Analytische Maschine
Zuse: Computer

Technologie als Logie der Technik beschreibt die evolutionäre Entwicklung. Meine Technologie beispielsweise damit, dass Werkzeug, Maschine und Automat kategoriell unterschieden werden, und dass der Motor und die Steuerung ihrerseits begrifflich entwickelt werden. Solche Unterscheidungen kennt die Technik-Philosophie nicht

Eine der wichtigsten technische Erfindungen, wenn nicht die wichtigste überhaupt, ist die Regelung der Dampfmaschine. Was schreiben Philosophen darüber? So weit ich sehe nichts, H. Arendt, die ja keine Philosophin sein will, schreibt, dass die Dampfmaschine insgesamt nicht sehr wichtig sei. In der Wikipedia steht nebenbei aber immerhin:
"Zu Beginn wurden die Ventile mit Hand von einem Knaben bedient. Humphrey Potter, der dafür angestellt war, kam 1712 wohl aus Bequemlichkeit, um sich die Arbeit zu erleichtern und weil er mit den anderen Jungen spielen wollte, auf die Idee, die Betätigung der Ventile durch den Gang der Maschine selbst besorgen zu lassen. Er verband in geeigneter Weise den auf- und nieder gehenden Balancier(balken) durch Schnüre mit den Hähnen und hatte damit, ohne sich dessen selbst bewusst zu sein, die Erfindung der selbsttätigen Steuerung gemacht.


 

Anmerkungen

1) "Die Arbeiten, die zu den verschiedenen Zweigen der mathematischen Wissenschaften gehören, können, auch wenn sie auf den ersten Blick dem Intellekt vorbehalten zu sein scheinen, in zwei verschiedene Abschnitte unterteilt werden. Der eine kann als mechanisch bezeichnet werden, weil er präzisen und unveränderlichen Gesetzen unterworfen ist, die durch die Operationen der Materie ausgedrückt werden können, während der andere, der das Eingreifen des Verstandes erfordert, mehr in den Bereich des Verstandes gehört. Dies vorausgesetzt, können wir vorschlagen, den mechanischen Teil dieser Arbeiten mit Hilfe von Maschinen auszuführen und das, was vom Denkvermögen abhängt, dem reinen Verstand vorzubehalten." L. Menabrea: Sketch of the Analytical Engine


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