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Umgangssprachlich wird der Ausdruck "Funktion" für sehr verschiedene Sachen verwendet. Siehe dazu die Übersicht (Begriffsklärung). Ich unterscheide verschiedene Kontexte um Homonyme auseinander zu halten. Inwiefern es sich um Metaphern handelt, werde ich später untersuchen.
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Übersicht (Begriffsklärung) Funktionalismus Funktionssystem Funktionär (Rolle) |
In den Geistes- und Sozialwissenschaften wird der Ausdruck Funktionalismus für verschiedene grundlegende Anschauungen verwendet, in welchen die soziale Phänomene durch "Funktionen erklärt" werden.
Anmerkung:
mit den in diesem Lexikon verwendeten Begriffen Funktion und Erklärung hat beides nichts zu tun. H. Maturana etwa sagt: Funktionen erkären nichts. In der Soziologie heisst "erklären" aber sehr oft anderen Menschen etwas erklären, und dafür eigenen sich Zwecke ganz gut.
Hier reflektiere ich nur, dass es ganz andere Verwendungen des Ausdruckes gibt.
In der soziologischen Systemtheorie von T. Parsons etwa muss ein System bestimmte Funktionen erfüllen. Diese Funktionen (AGIL) sind gesetzt und dienen der Analyse von Verhalten. Unterstellt wird eine generelle Selbsterhaltung, der sich jedes Verhalten irgendwie unterordnen soll. Bedeutsam wurden solche Lehren, die sich mit politischen Rahmenbedingungen beschäftigen, für die Sicherung von gesellschaftlicher Strukturen. Man spricht auch vom Strukturfunktionalismus.
Diese Verkehrung der Funktion von Funktion, in welcher diese vorausgesetzt wird, hat N. Luhman dann aufgegeben. Er spricht immer noch von Funktionssystemen, aber die Funktionen sind bei ihm kontigent. Es geht gerade darum, für die Erfüllung einer Funktion Alternativen zu finden. Die Frage lautet deshalb: Welche Funktion wird durch ein Verhalten erfüllt. Aber auch bei N. Luhmann sind die generellen Funktion, jene der politischen Systemerhaltung. Bei ihm gibt es aber keine übergreifende Gesamtfunktion wie ‚Systemerhaltung‘. Jedes Funktionssystem erfüllt eine eigene Funktion (Wirtschaft: Zahlungen, Recht: normative Erwartungen stabilisieren, Politik: kollektiv bindende Entscheidungen). N. Luhmann hat AGIL kritisiert, aber gut aufhegoben. Als Standardfunktion dient bei N. Luhman anstelle von Überleben, das, was sich durchgesetzt hat. Er sagt: Es gibt Wirtschaft, Recht, Wissenschaft unabhängig davon, ob und wie sie zum Überleben wichtig sind.
Anmerkung:
Selbstredend sind diese Funktionsbegriffe Teil einer Lehre, die sich mit sozialen Verhältnissen befasst. Maschinen wollen ja nicht überleben.
Historische Anmerkung:
Als "Systemtheorie" gilt in den Geisteswisseschaften im Anschluss an G. Hegel, eine Lehre, die sich mit dem Ganzen befasst. L. von Bertalanffy hat diese Philosphie für seine Biologie verwendet. Er hat sich vehement dafür eingesetzt, die Systemtheorie von der Maschinentheorie von N. Wiener abzugrenzen, weil die Kybernetik alles als Mechanismen auffasste.
In diesem Lexikon verwende ich eine kybernetische Terminologie, die allerdings an Maschinen orientiert ist, nicht an der politischen Steuerung, die der Kybernetik den Namen gab (Schiffssteuermann, Governeur).