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Funktionalismus ist ein Label, das wenig bezeichnet. In der Soziologie gibt es eine Phase mit T. Parsons, in welcher Funktionalismus dem Strukturalismus gegenübergesetzt wurde.
Kritisch ist, ob und wie Funktionen als Erklärungen aufgefasst werden: Es wird x getan, weil das die Funktion y erfüllt.
Funktionen können aber auch einfach als Bezeichnungen dafür dienen, was dann behandelt wird.
Das AGIL-Schema benennt vier Funktionen, die ein System erfüllt: Adaptation, Goal-Attainment, Integration und Latency.

Bei N. Wiener: Funktionalismus versus Behaviorismus
N. Wiener hat seine Kybernetik quasi vorab in einer seltsamen Teleologie verortet, womit er sie von herrschenden Paradigmen, insbesondere von seiner Auffassung von Behaviorismus abgrenzen wollte. Er ist aber Behaviorist im schlechten Sinn des Wortes geblieben. Er beobachtet das Verhalten von Systemen anstelle der Tätigkeiten von Menschen. Der Ausdruck "kybernetisches Ziel" wurde von N. Wiener in "Behavior, Purpose, and Teleology" thematisiert oder problematisiert. N. Wiener beschreibt dabei das Verhalten von Mechanismen, also nicht die Tätigkeiten von Menschen. Er sagt im Wesentlichen, dass auch das Verhalten in vielen Fällen ein Ziel voraussetze. Im Verhalten eines Systems zeige sich die Teleologie (und mithin das Ziel) in Form einer negativen Regelung. 1. Er wendet sich gegen Autoren, die eine Teleologie ablehnen, indem sie eine mechanistische Physik ohne Zielbegriff vertreten, also Verhalten als bloße kausal determinierte Bewegung unter Naturgesetzen sehen und jedes Wozu ausschliessen. Er sagt: "Auch Maschinen können sich so verhalten, dass ihr Verhalten auf ein Ziel hin korrigiert wird - das ist Teleologie im funktionalen Sinn."

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hier ist noch einiges offen

Als Funktionalismus bezeichne ich soziologische Theorieansätze, die soziale Phänomene auf ihre soziale Funktion in bzw. für die betreffende Gesellschaft hin erklären. In der soziologischen Systemtheorie bedeutet dies, dass Systemen eine Funktion unterstellt wird, und Prozesse und Strukturen darin in Hinblick auf diese Funktion analysiert werden. Bedeutsam geworden sind solche funktionalistischen Theorien im Strukturfunktionalismus von T. Parsons.

Als Strukturalismus bezeichne ich eine komplementäre Perspektive.

Ein Äquivalenzfunktionalismus geht immer auch von der Annahme aus, dass Systeme spezifische Lösungen für spezifische Probleme darstellen, die auch anders gelöst und darum auch ersetzt werden können. Hinsichtlich des Internets könnte man fragen: für welches Problem ist das Internet eine Lösung?


 

Was ist eigentlich Funktionalismus? Und was nicht?

Das ist die klassische Frage: Welche Funktion erfüllt diese Handlung im System?
Welchen Zweck hat sie? Das ist nicht Funktionalismus !

T. Parsons macht etwas anderes: Er setzt die Funktionen vorab fest. Parsons sagt: Jedes System muss vier Funktionen erfüllen: Adaptation, Goal Attainment, Integration, Latency (AGIL). Die Funktionen sind nicht Ergebnis der Analyse, sondern Voraussetzung der Analyse. Das ist Funktionalismus (struktureller Funktionalismus): Er geht davon aus, dass soziale Systeme überleben wollen und dass sie dafür bestimmte Funktionen erfüllen müssen. Das ist teleologisch, aber nicht im aristotelischen Sinn, sondern systemtheoretisch: Systeme existieren, weil sie Funktionen erfüllen, die ihr Fortbestehen sichern.

Luhmanns Lösung: Funktion ohne Funktionalismus. Er sagt: die Funktion ist der Unterschied zwischen Problem und Lösung. Es gibt keinen festen Funktionskatalog, Funktionen sind kontingent, nicht notwendig.

Inbegriff des Funktionalismus ist das Überleben als generellste Funktion.
Sie zeigt sich nicht, sondern wird als Erklärung verwendet - als funktionale Erklärung, die eben nichts erkärt.

[ Soziologisch verstandener Funktionalismus ]
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