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Luhmann, Niklas: Macht, 4. Auflage,

"In einer vielbeachteten umfangreichen Kritik des Werkes von Parsons und seiner Machttheorie äussert Alvin Gouldner sein Erstaunen darüber, dass Parsons Macht durch ihre Behandlung als symbolisch generiertes Medium in so hohem Masse mit legitimer Macht, mit "establishment power" identifiziere und dies für den gesellschaftlichen Normalfall halte.
Diese Auffassung wird pauschal und in einzelnen ihrer Ausformulierungen als moralisch, als intellektuell absurd, als utopisch, als irreführend abgetan unter Hinweis auf die Brutalität und die Eigensüchtigkeit der Machthaber.
Das Erstaunen eines Soziologen müsste nun wiederum die Soziologen erstaunen; um so mehr als er im Rahmen einer Soziologie der Soziologie formuliert wird.
Natürlich ist nicht zu bestreiten, dass die Soziologie sich für Phänomene des brutalen und eigenmächtigen Machtgebrauchs interessieren kann und sollte. Ein solches Interesse darf jedoch nicht zu einem in die Begriffe und in die Theorien eingebauten Vorurteil über die gesellschaftliche Realität auswachsen.
Es war gerade die Leistung der Parsons'schen Theorie, die Vorurteile der Soziologie als einer Krisen- und Oppositionswissenschaft durch eine relativ autonome (in sich selbst dann wieder kritisierbare) Begriffsarchitektonik zu übersetzen.
Wie immer man über die Adäquität dieses Instrumentariums urteilt, man wird nicht bestreiten können, dass die Institutionalisierung durchsetzbarer legitimer Macht das Phänomen von grösserer gesellschaftlicher Tragweite ist im Vergleich zu Brutalität und Eigensucht.
Das Alltagsleben einer Gesellschaft ist in sehr viel stärkerem Masse durch Rekurs auf normalisierte Macht, namentlich auf Rechtsmacht, bestimmt, als durch brutalen und eigensüchtigen Machtgebrauch. Regional begrenzte Ausnahmefälle machen gerade diesen Sachverhalt deutlich. (S.24/25 - ich warte auf das Trump-Argument )

Den Untergebenen wird mehr und mehr suggeriert, es sei gut für sie, ihre Macht kollektiv auszuüben, Vertreter zu wählen, Gremien zu bilden, die an Entscheidungen beteiligt werden. Mit Hilfe von Schlagworten wie Partizipation oder Mitbestimmung wird gegenwärtig diese Idee verkauft, - unter Mitsuggestion falschen Bewusstseins. So wird "Emanzipation" zum letzten Trick des Managements : den Unterschied von Vorgesetzten und Untergebenen zu leugnen und damit dem Untergebenen die Machtbasis zu entziehen. (S. 120/121)
 
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