Heidegger, Martin (Heidegger, Hermann. Hrsg.): Überlieferte Sprache und Technische Sprache, St. Gallen 1989, Erker-Verlag
Volltext (Passwort)
Denn, stellen wir uns blind gegenüber dem, was ist, und bleiben wir starr den geläufigen Vorstellungen über Technik und über Sprache verhaftet, dann entziehen oder beschneiden wir der Schule - ihrer Aufgabe und Arbeit - die bestimmende Kraft, die ihr zukommt. (5)
5 Thesen zur zur Wortverwendung von "Technik":
1. Die moderne Technik ist ein von Menschen erdachtes und hergestelltes Mittel, d. h. Instrument zur Verwirklichung von menschlich gesetzten, im weitesten Sinne industriellen Zwecken.
2. Die moderne Technik ist als das genannte Instrument die praktische Anwendung der neuzeitlichen Naturwissenschaft.
3. Die in der modernen Wissenschaft gegründete Industrietechnik ist ein Sondergebiet innerhalb des neuzeitlichen Kulturgefüges.
4. Die moderne Technik ist die stetige, gradweise gesteigerte Fortentwicklung der alten Handwerkstechnik nach den von der modernen Zivilisation gebotenen Möglichkeiten.
5. Die moderne Technik verlangt als das gekennzeichnete menschliche Instrument, daß sie auch unter menschliche Kontrolle gebracht, daß der Mensch mit ihr als seinem eigenen Erzeugnis fertig wird.
"Der einzige Charakter der Sprache, der in der Information übrig bleibt, ist die abstrakte Form der Schrift, die auf die Formeln eines Logikkalküls umgeschrieben wird. Die dabei notwendig geforderte Eindeutigkeit der Zeichen und Formeln sichert die Möglichkeit der sicheren und schnellen Mitteilung.
Auf den technisch-rechnerischen Prinzipien dieser Umformung der Sprache als Sagen zur Sprache als bloß zeichengebender Meldung beruhen der Bau und die Leistung der Großrechenanlagen. Das für unsere Besinnung Entscheidende liegt darin, daß von den technischen Möglichkeiten der Maschine die Vorschrift gestellt wird, wie die Sprache noch Sprache sein kann und sein soll. Art und Charakter der Sprache bestimmen sich nach den technischen Möglichkeiten der formalen Zeichengebung, die eine Folge fortgesetzter Ja-Nein-Entscheidungen in der größtmöglichen Schnelligkeit ausführt. Welche Programme der Rechenmaschine eingegeben werden können, womit sie, wie man sagt, gefüttert werden kann, richtet sich nach dem Bau und der Leistungsfähigkeit der Maschine. Die Art der Sprache wird durch die Technik bestimmt. Aber gilt auch nicht das Umgekehrte: Der Bau der Maschine richtet sich nach den sprachlichen Aufgaben, z. B. solchen der Übersetzung? Aber auch so sind die sprachlichen Aufgaben im vorhinein und grundsätzlich an die Maschine gebunden, die überall die Eindeutigkeit der Zeichen und der Zeichenfolge fordert. Darum läßt sich ein Gedicht grundsätzlich nicht programmieren."
Kommentar:
wie immer geistesverstört verkehrt, weil er von der Sprache statt von seinem Sprechen spricht. Nur Idioten halten Programmiersprachen für Sprachen. Nur Idioten sprechen mit Maschinen oder geben Maschinen Befehle.
Diese Schrift gibt den (...) handschriftlich vorliegenden Text des Vortrages wieder, den Martin Heidegger am 18. Juli 1962 bei einem Lehrgang für wissenschaftliche Lehrer an Gewerbeschulen an der Staatlichen Akademie für Lehrerfortbildung auf der Comburg (Schwäbisch Hall) gehalten hat" (30).
Es wäre "(...) zu überlegen, ob der Unterricht in der Muttersprache angesichts der Mächte des Industriezeitalters nicht etwas ganz anderes ist als nur etwas allgemein Bildendes (...). Zu bedenken wäre, ob dieser Sprachunterricht statt einer Bildung nicht eher eine Besinnung sein müsste, nämlich auf die Gefahr, die die Sprache und d.h. das Verhältnis des Menschen zur Sprache bedroht, eine Besinnung aber zugleich auf das Rettende, das sich im Geheimnis der Sprache verbirgt, sofern sie uns immer auch in die Nähe des Ungesprochenen und des Unaussprechlichen bringt" (28). (Lernen, Lehren, Besinnung, Technik , Heidegger, 1989"