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N. Luhmann verwendet Vertrauen als Mittel der Funktion Komplexitätsreduktion. |
Als Vertrauen bezeichne ich differenztheoretisch eine Differenz zwischen Vertrauen und keine Angst haben.
Wenn ich merke, dass ich keine Angst habe, vertraue ich.
Beispiel:
Ich trete auf einen Balkon. Dabei vertraue ich keineswegs darauf, dass er mich trägt, sondern es kommt mir gar nicht in den Sinn, dass er mich nicht tragen könnte.
Ich unterscheide, ob ich jemandem vertraue, der auch lügen könnte, oder ob ich darauf vertraue, dass meine Erwartung erfüllt wird.
Beispiel:
Ich kann darauf vertrauen, dass das Geld nicht abgewertet wird oder ich kann den Sprechern der Nationalbank vertrauen, wenn die das sagen.
Wenn Vertrauen thematisiert wird, denke ich an Angst.
Im Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise des Jahres 2008 wurde der Ausdruck "Vertrauen" als "Erklärung" in dem Massenmedien gepusht. Vertrauen ist in diesem Kontext ein etwas ambivalenter Ausdruck. Es geht hier natürlich nicht darum, jemandem (den Wirtschaftsführern) zu vertrauen, sondern darum, die Wahrscheinlichkeit einzuschätzen, wie gut man Geld und Wertpapiere wieder loswerden kann.
“Vertrauen zeigt sich, wenn ich nicht zu prüfen brauche, ob das, was ein anderer gesagt hat, der Fall ist oder nicht. Wenn einer mir sagt:„Schau, hinter dir ist ein Elefant”, sage ich:„Da muss wohl ein Elefant sein“ Dann drehe ich mich um; ist der Elefant verschwunden; merkwürdigerweise. Warum? Ich weiß nicht, warum, aber jedenfalls war hinter mir ein Elefant. Das nenne ich Vertrauen. Wenn der andere mir etwas sagt, sage ich:„Ich nehme es hin, wie er es sagt“ Natürlich kannst du jetzt einwenden:„Der Hörer, nicht der ..." (H. von Foerster: Teil der Welt).
“Alle Selbstdarstellung verpflichtet – allein schon dadurch, dass sie ein Selbst darstellt, für das Identität in Anspruch genommen wird. Man muß, will man derselbe bleiben, so bleiben, wie man sich gezeigt hat. In einzelnen Hinsichten mag es gelingen, gute Gründe für ein Abweichen zu finden oder die Selbstdarstellungsgeschichte so umzudeuten, daß das Neuartige als Konsequenz des Gewesenen erscheint. Doch solche Reformen sind nur an einem, im übrigen konstant und integer bleibenden Selbst durchführbar. Nicht zufällig haben schon frühe Soziologen beobachten können, daß der unvertraute Fremde mehr Freiheit genießt und unbefangener agieren kann. Wer länger am Platze ist, schon bekannt ist, vertraut hat und Vertrauen genießt, ist eben dadurch mit seiner Selbstdarstellung in ein durch ihn miterzeugtes Gewebe von Normen verstrickt, aus dem er sich nicht zurückziehen kann, ohne Teile seines Selbst zurückzulassen – es sei denn, daß er ganz von der Szene verschwindet und nur die Illusion hinterläßt, daß er anderswo derselbe bleibt.” Luhmann, Niklas: Vertrauen. Stuttgart 2000. S. 81 f.
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[ 24. 4.26 ]