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Regel
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Als Regel bezeichne ich eine Vorschrift, die innerhalb eines "Spiels" gültig ist. Als "Spiel" bezeichne ich hier tautologisch genau das, dass Regeln gelten.
Beispiele:
Beim Fussballspiel darf ich als Feldspieler den Ball nicht mit den Händen berühren, solange der Ball das Spielfeld nicht verlassen hat. Wenn ich nicht Fussballspiele schreibt mir diese Regel nichts vor.
Erläuterungen:
Eine Regel ist im Unterschied zu einem Gesetz keine "Wenn-Dann"-Ausage, sie unterstellt aber eine Bedingung:
Wenn Fussball gespielt wird (also nicht ein anderes oder gar kein Spiel)
DANN dürfen die Feldspieler den Ball nicht mit den Händen berühren.
In dieser Wenn-dann-Formulierung wird eine Regel genannt.
Ich kann als Zuschauer erkennen, dass bei einem bestimmten Ballspiel die Hände nicht verwendet werden. Dazu muss ich keine Vereinbarung und keine Spielregel kennen.
Ich kann mir meine Beobachtung mit einer Regel erklären, die besagt, dass der Ball nicht mit den Händen berührt werden soll.
Die Vermutung dieser Regel wird unterstützt, wenn ein Verstoss dagegen angezeigt oder bestraft wird.
Ich kann eine Regel explizit machen, dann wird sie zu einer operativen Beschreibung einer zulässigen oder nicht zulässigen Verhaltensweise.
Regeln gibt es nur bezüglich optionalem Verhalten, das nicht festgelegt ist. Eine geregelte Dampfmaschine befolgt keine Regel, das heisst, ich erkläre ihr Verhalten nicht mit einer Regel, sondern durch eine Regelung. In der Regelung sind die Regeln - wie in juristischen Gesetzen - aufgehoben.
Regeln gelten nur innerhalb des Spiels. Es gibt eigentliche Spiele, bei welchen ich nicht mitspielen muss. Wenn ich mitspielen muss, spreche ich von einer Vorschrift.
Ein Regelwerk hat folgende Eigenschaften:
Jeder Begriff wird genau einmal definiert.
Definitionen stehen vor ihrer Verwendung.
Normen werden von Definitionen getrennt.
Jeder Artikel hat genau eine logische Funktion.
Es gibt keine impliziten Voraussetzungen oder Zirkel.
Das wäre eine axiomatische oder zumindest systematische Konstruktion des Regelwerks.
Ich kenne kein großes Sportregelwerk, das diesem Ideal konsequent folgt - weder die FIDE-Regeln noch die Fußballregeln des International Football Association Board noch die Turnierregeln anderer Sportarten. Sie sind überwiegend für Praktiker geschrieben und nicht nach den Maßstäben einer formalen Normensystematik.
Siehe auch: Hebbsche Lernregel
Bedeutung von Regeln in Gruppen (nach O. Kruse, wo "Regel" offenbar diffus für "Norm" steht)
- Regeln orientieren
- Regeln grenzen ab
- Regeln stabilisieren
- Regeln schützen
- Regeln erfordern Anpassung und Verzicht
- Regeln entsubjetkivieren
- Regeln fördern die Erstarrung
- Regeln bedürfen der Legitimierung durch die Gruppe
Literatur
Regel / Gebot / Inszenierung (Der mittlere Weg, S.280)
F. Varela. verwendet die Ausdrücke anders als ich.
"Regeln bestehen im wesentlichen aus einem Bedingungsteil (Prämisse) und einem Aktionsteil (Konklusion). Die Prämisse beschreibt eine Situation, in der die zugehörige Aktion ausgeführt werden soll. Dabei ist zwischen zwei Aktionstypen zu unterscheiden (Sticher, 1992 , 27) [ ]