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Diese Variante steht im Blog 10. April 2026 |
In der Alltagssprache werden die Ausdrücke Aufgabe und Problem sehr unterschiedlich verwendet, häufig werden sie aber synonym verwendet und oft verwechselt.
Eine Aufgabe entsteht dadurch, dass ein Ziel gesetzt wird, das durch Tätigkeiten erreicht werden soll. Probleme dagegen entstehen, wenn die vorhandenen Mittel oder die bekannten Verfahren nicht ausreichen, um eine gesetzte Aufgabe praktisch zu erledigen.
Als Aufgabe bezeichne ich eine Domäne von Verfahren, die dasselbe Resultat hervorbringen. Bei den Resultaten unterscheide ich zwischen hergestellten Gegenständen und verallgemeinerten Zielen, die keinen Gegenstand betreffen müssen. So kann ich etwa das Fertigstellen einer Baumhütte oder das Erreichen des Matterhorn-Gipfels als Ziele auffassen und damit die Zielsetzung generalisieren.
Als Anliegen bezeichne ich eine Aufgabe, die ich mir noch nicht gestellt habe. Erst wenn ein Ziel tatsächlich angestrebt wird, entsteht die Aufgabe im eigentlichen Sinne.
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Jede Aufgabe kann grundsätzlich durch verschiedene Verfahren erledigt werden. Wenn ich jedoch nicht weiß, wie ich sie erledigen kann oder welches Verfahren das beste wäre, habe ich ein Problem. Probleme sind daher immer an eine zielsetzende Instanz gebunden. Ein Problem ist also etwas anderes als die Aufgabe selbst. Jedes Problem impliziert eine Aufgabe – aber nicht jede Aufgabe ist ein Problem. Jedes Problem hat eine Lösung: entweder ein funktionierendes Verfahren oder die Einsicht, dass es kein solches Verfahren gibt, wie bei der Quadratur des Kreises. Umgangssprachlich wird der Begriff aber auch dann verwendet, wenn man überhaupt keine Verfahren in Betracht ziehen kann. Probleme sind immer Probleme einer Instanz, die das eine Aufgabe erfüllen will. Ein Schachbrett mit Figuren ist kein Problem; es wird erst zu einem Problem für jemanden, der eine bestimmte Stellung in eine Matt‑Situation überführen will. Eine beschädigte Brücke ist nur für jene ein Problem, die sie benutzen oder reparieren wollen – allerdings jeweils in unterschiedlicher Weise, weil sie ja etwas unterschiedliches wollen. |
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Die verbreitete Redeweise, man „löse eine Aufgabe“, verdeckt den Unterschied zwischen Aufgabe und Problem. Tatsächlich löst man nicht die Aufgabe, sondern ein Problem, das durch die Aufgabe entsteht. Ein Schüler, der eine Rechenaufgabe „lösen“ soll, erhält einen Auftrag. Die Aufgabe besteht darin, das Resultat zu ermitteln und hinzuschreiben. Das Problem besteht allenfalls darin, ein Verfahren zu finden, das zum richtigen Resultat führt. Das Resultat selbst ist nicht die Lösung des Problems, sondern die Erfüllung der Aufgabe. Hat der Schüler das Verfahren erkannt, aber falsch gerechnet, hat er das Problem gelöst, aber die Aufgabe nicht erfüllt. In solchen Kontexten wird die Aufgabe häufig als Problem bezeichnet, und ich löse dann in dieser Redeweise natürlich das Problem, nicht die Aufgabe. Ich kann auch das Lösen eines Problems als Aufgabe betrachten: Dann besteht mein Ziel und meine Aufgabe darin, ein passendes Verfahren zu finden. Typische Beispiele sind das Spiel „Turm von Hanoi“ oder der Würfel von Rubick. Solche "Probleme" werden im Programmierunterricht als Aufgaben gestellt. Habe ich die Lösung gefunden, muss ich sie aufschreiben - aber ich muss das Spiel nicht spielen. Die Lösung zu finden ist eine andere Aufgabe als die Lösung anzuwenden. |
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Eine Rechnung wird zur Aufgabe, wenn man das Resultat wissen will oder berechnen muss. Im Falle des Schülers beruht die Aufgabe auf einem Auftrag. Ein Auftrag ist etwas ganz anderes als eine Aufgabe.
Eine Problemlösung besteht darin, ein funktionierendes Verfahren zu identifizieren oder festzustellen, dass kein solches Verfahren existiert. Das Anwenden des Verfahrens gehört nicht zur Problemlösung selbst, sondern zur Erledigung der Aufgabe. Wenn ich ein Bild aufhängen will, kann ich einen Nagel einschlagen; fehlt mir ein Hammer, entsteht ein abgeleitetes Problem, das sich auf die Beschaffung eines geeigneten Mittels bezieht. Kreativität besteht nicht nur im Finden neuer Verfahren, sondern vor allem darin, die Problemstellung so zu verändern, dass die Aufgabe erledigt werden kann. Man bezeichnet das in den Wissenschaften als progressive Problemverschiebung. Anspruchsvolle Aufgaben erfordern Projekte, in denen Strategie und Taktik als Formen der Planung fungieren. Damit werden antizipierte Probleme vorab gelöst.
In der Alltagssprache wird die Aufgabe oft weiter gefasst, indem einer unterstellten Funktion eine Aufgabe zugeschrieben wird. So heisst es etwa: "Das Herz löst die Aufgabe, das Blut durch den Körper zu pumpen." Aber natürlich gibt niemand dem Körper einen Auftrag, den er mittels eines Herzens erfüllt soll. Organe lösen keine Probleme; vielmehr habe ich ein Problem, wenn ein Organ seine vermeintliche Aufgabe nicht mehr erfüllt. Organe haben auch keine Funktion im eigentlichen Sinne, ich kann sie nicht für etwas verwenden.
Ich kann jeden Gegenstand und jedes Verhalten als Resultat einer Aufgabe beobachten. Dann kann ich mich fragen, welches Problem damit gelöst wurde. Das kann helfen, ein anderes oder besseres Verfahren zu finden. Manchmal wird in diesem Sinn ein Problem konstruiert, das zu einer bereits vorhandenen Lösung passt.